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Viele Hände, eine Handschrift
Es ist ein milder Septembermorgen in Dürnstein. Die letzten Nebelfetzen ziehen über die Rebzeilen am Kellerberg, zu dessen Füßen die Donau glänzt wie flüssiges Metall. Über den Trockensteinmauern liegt ein hauchdünner Taufilm, irgendwo klackert ein Traktor. Heinz Frischengruber, ein Berg von einem Born-and-Bred-Wachauer und seit 20 Jahren Kellermeister der Domäne Wachau, hält kurz inne und blickt den Hang hinauf: „Ein klassischer österreichischer Familienwinzer, der muss heute alles können“, sagt er dann. „Der muss im Weingarten sein, Traktor fahren, im Keller arbeiten, Social Media beherrschen und sich im Steuerrecht auskennen. Das ist bei uns anders. Unsere Weinhauer haben nur einen Job, nämlich die Allerbesten in ihrem Weingarten zu sein. Das ist deren Fokus, und das kann auch niemand besser, denn niemand hat mehr Erfahrung, Feingefühl und Verständnis für den eigenen Grund und Boden als man selbst.“
Herkunft im Kleinstformat
Dieser Satz ist die Leitplanke, der entlang Weingutsleiter Roman Horvath und Heinz Frischengruber die Domäne Wachau in den vergangenen zwei Jahrzehnten komplett neu ausgerichtet und aus der tradierten Genossenschaftslogik heraus in ein feinst gesteuertes Qualitätsproduzentenmodell geführt haben. Herzstück dieses Modells sind die Weinhauer und Weinhauerinnen, die überwiegend klein strukturierte
Weingärten in den Steillagen der Wachau zwischen Melk und Krems – übrigens bereits zu 50 % biologisch – bewirtschaften. Im Schnitt pflegen sie ein bis zwei Hektar, oft im Nebenerwerb, meist seit Generationen. „Aber sie sind eben nicht einfach Produzenten, die im Weingarten machen, was sie wollen, Trauben bei uns abliefern und das war’s“, erklärt Roman Horvath. „Sondern hoch spezialisierter Weingartenprofis mit einem klaren Qualitätsanspruch und -konzept, das wir gemeinsam mit ihnen entwickelt und aufgebaut haben.“
Strikte Handlese, regenerative Bewirtschaftung, Herbizid- und Insektizid-Verzicht, eigene Bodenbegrünungsmischungen, ein biodynamisches Dauerkompost-Projekt und Mikrovinifikation zählen zu den Grundpfeilern dieses Konzepts. Dass jede Parzelle als eigenes Mikrouniversum verstanden und keine Traube willkürlich einem Wein zugeordnet wird, ist ein Zugang, der in dieser Größenordnung und Stringenz in Österreich einzigartig ist. Aber die Wachau schreit geradezu nach diesem Maß an Differenzierung: Höhenunterschiede, Donauseite, Exposition, Gneis-, Schiefer-, Löss- und Kalkböden – das alles macht die Region zu einem Wimmelbild aus Mikroterroirs. Die Mikrovinifizierung ist für Frischengruber und Horvath die einzig sinnvolle Antwort auf eine Landschaft, die Gleichförmigkeit verweigert.
Diese sich so ergebende Vielfalt spiegelt sich natürlich auch im Sortiment der Domäne Wachau wider, das von Riedenweinen über Terrassenweine aus kleinsten Parzellen mehrerer Lagen bis zu Weinen der Backstage-Linie reicht, die in Amphoren oder Betoneiern reifen. Rechnet man alle Sonderfüllungen mit ein, ergibt das einen Sortenspiegel von rund 60 terroirbetonten Charakterweinen – die auch international stark gefragt sind, was die Exportquote von 50 % belegt.
Maximale Präzision, minimaler Eingriff
Die Partitur, die im Weingarten geschrieben wird, wird in den kilometerlangen Gängen des 300 Jahre alten Weinkellers 15 Meter unterhalb des Dürnsteiner Kellerschlössls lesbar gemacht. Im Gewölbe, wo sich die alten Holzfässer, Amphoren und Betoneier befinden, herrschen konstant 10 bis 11 °C, die Luftfeuchtigkeit wird nicht reguliert. Unmittelbar nebenan arbeitet eine moderne Kelleranlage im selben Milieu, nur effizienter und flexibler. Dort wie da wird kontrolliertes Nichtstun gepflegt. Oder, wie es Heinz Frischengruber auf dem Weg durch das Labyrinth, das unterirdisch bis zur kürzlich noch einmal aufgehübschten Vinothek der Domäne führt, formuliert: „Das Ziel ist immer, das, was im Weinberg erreicht wurde, sanft zu straffen, es zu eleganten, trinkfreudigen Weinen werden zu lassen.“
Wieder zurück an der Oberfläche hat sich der Nebel verzogen. Vor den großen Glasfenstern der Vinothek, in der sich gerade eine Weingutsführungsgruppe formiert und Nasen über Grünem Veltliner Smaragd Achleiten und Riesling Federspiel Terrassen kräuseln, nichts als stahlblauer Himmel. „Sehr gutes Lesewetter“, sagt Heinz Frischengruber mit einem zufriedenen Lächeln zum Abschied – und macht sich wieder auf den Weg zurück dahin, wo jedes noch so kleine Stückchen Erde den großen Unterschied macht.
Für das stimmige Weinkulturerlebnis, das die Domäne Wachau mit der Verbindung aus puristischen, präzisen und terroirbetonten Spitzenweinen, Vinothek, Weingutsführungen und Veranstaltungen bietet, wurde sie 2025 mit dem VINEUS Wine Award in der Kategorie Genuss-Erlebnis am Weingut ausgezeichnet.
Zwischen Melk und Krems erstreckt sich mit der Wachau eine der spektakulärsten (Weinkultur-)Landschaften Europas. Die überwiegend in steilen Terrassen angelegten Weingärten werden von den Weinhauerinnen und Weinhauern der Domäne Wachau regenerativ und zu 50 % biologisch bewirtschaftet. Handlese, akribische Lesepläne und Mikrovinifikation pro Parzelle garantieren puristische, präzise und terroirbetonte Weine, mit denen sich die Domäne Wachau längst auch auf internationalen Weinkarten einen Fixplatz erarbeitet hat.
„Die Domäne ist keine Traubensammelstelle, sondern ein Netzwerk aus hoch spezialisierten Weingartenfachkräften.“
Roman Horvath, Gutsleiter der Domäne Wachau