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Es liegen nur ein paar Kilometer zwischen Schönberg am Kamp und Langenlois. Gefühlt ist das Kamptaler Weintourismuszentrum aber eine Galaxie weit weg. In Schönberg, am nördlichen Ende des Kamptals, gibt es keine großen Weingüter mit Verkostungskathedralen. Keine prestigeträchtigen Heurigen. Was es hier dafür gibt, ist ein Terroir, das in einer ganz eigenen Liga spielt, mit heißen Tagen und besonders kühlen Nächten, mit heterogenen Bodenformationen aus Gneis und Schiefer, Löss und Lehm. Und es gibt einen Winzer namens Gerhard Deim, der es versteht, dieses einzigartige Fleckchen Erde in seinen Weinen perfekt abzubilden – ohne mit der Tradition zu brechen, aber auch ohne Angst vor der Vorwärtsbewegung.
Gerhard Deim
2017 übernahm Gerhard Deim nach Vino-HAK, BWL-Studium und Praktika in Neuseeland, Australien und Kalifornien das Familienweingut in Schönberg am Kamp. Gemeinsam mit seinen Eltern bewirtschaftet der VINEUS Newcomer Winzer 2025 rund 20 Hektar Rebflächen rund um Schönberg. Und das, was da von Lagen wie Kalvarienberg, Bernthal oder Irbling in seine Fässer kommt, ist Terroir total: elegant, präzise, komplex und dicht, aber nie wuchtig oder gar fett.
Alte Werte, neue Wege
Seit Gerhard Deim das elterliche Weingut, das versteckt am Ortsrand von Schönberg liegt, führt, reichen sich Vergangenheit und Jetztzeit hier architektonisch, atmosphärisch und inhaltlich besonders stilvoll die Hand. Dabei war der Betriebseinstieg 2017 kein Automatismus. Nach seiner Ausbildung an der FH Eisenstadt, der WU Wien und Praktika in Marlborough, Barossa Valley und Sonoma Valley war der Weg zwar skizziert. „Aber meine Eltern sind ja noch relativ jung, und ich dachte, vielleicht mach ich zehn Jahre doch noch was anderes“, erzählt Deim. „Andererseits wollt ich nicht nur nebenbei Wein machen. Wenn ich was mache, dann mach ich es schon gern gleich gscheit.“
Gscheit fand er es zum Beispiel, einen modernen Verkostungsraum ins ehemalige Wirtschaftsgebäude zu integrieren, den Weinkeller optisch und technisch auf den neuesten Stand zu bringen und die Rebfläche auszudehnen. 75 % der aktuell 20 Hektar, aufgeteilt auf knapp 90 Parzellen, sind mit Veltliner und Riesling bepflanzt, der Rest mit Zweigelt, Sauvignon blanc, Muskateller, Weißburgunder und Chardonnay. Letzteren vinifiziert Deim seit 2023 separat. Ein Experiment. „Ich hab vor allem in Kalifornien viel mit Chardonnay gearbeitet, mir taugt die Sorte, und sie passt super in die Region“, ist Deim überzeugt. Wer jetzt aber an eine klassische Chardonnay-Holzbombe denkt, irrt.
Trinkfreude vor Muskelspiel
„Eleganz, kühle Frische und Trinkfreude sind mir bei allen Weinen extrem wichtig“, betont Deim. „Wir legen zwar alle Veltliner-Lagenweine ins große oder ins 500-Liter-Holzfass, aber das Holz darf nie dominieren.“ Apropos Veltliner: Der Kamptaler Parade-Rebsorte wird bei Gerhard Deim natürlich in allen Qualitätsstufen die gebotene Aufmerksamkeit zuteil, seine große Leidenschaft aber gilt dem Riesling.
Die Rieslinge, die er in die Flasche bringt, sind tatsächlich eine Klasse für sich, und zwar vom Ortswein wie dem herrlich leichtfüßigen, kräutrigen, dezent marillenfruchtigen Riesling Schönberg bis rauf zum komplexen Lagen-Ferrari wie dem Riesling Ried Irbling.
Und auch Spumante kann Gerhard Deim ganz schön gut. Mit dem „50/50“, einer Schaumwein-Cuvée aus Muskateller und Sauvignon blanc, ist ihm ein frisch-fruchtiger Superblubber geglückt, der nicht nur im Liegestuhl hervorragend funktioniert.
Der eine oder andere Liegestuhl könnte zukünftig auch auf der Wiese zwischen Weinkeller und Verkostungsraum stehen, gemeinsam mit ein paar Tischen, auf denen auch Feststoffliches Platz findet. „Einen kleinen, unkomplizierten Heurigen oder ein cooles Pop-up könnt ich mir gut vorstellen“, sagt Deim. Hoffentlich, denkt man sich beim Abschied, bleibt es nicht nur bei der Vorstellung. Weil man dann noch einen sehr guten Grund mehr hätte, statt nach Langenlois nach Schönberg am Kamp zu fahren.